Legacy: Volle Punktzahl für Teen Taken
[Quote] Gleich mit ihrem ebenfalls in dieser Ausgabe als Single besprochenem Überhit starten Nachzehrer ins Album, was sich einerseits als Irreführung, andererseits auch als Last erweist. Irreführend nämlich deswegen, weil man den dort propagierten Sound im Fortlauf des Albums kaum mehr (mit einer Ausnahme) wiederholt, ebenso wie die bestechende Qualität des Songs, der unbedingt ein Hit werden muss!
Das nachfolgende “Big Big Big Big Love” (habe ich jetzt alle Großen im Sack?) macht bereits den radikalen Schwenk klar: eine futuristisch wirkende, durchgeknallte Variation eines Liebesliedes, das sich in einer fernen Zukunft wohl mehräugige Mutanten auf Valium aus ihren grünen Mündern pressen. Als ob man einen ein Der Plan-Remix eines Trio-Songs in eine degenerierte Zukunft geschossen hätte. Als ob Frank Sinatra bei einer LSD-Version von DAF eingestiegen wäre. Die Elemente “Futurismus” und “Verfall” respektive “Dekadenz”, vielleicht hier der Fin-De-Siecle-Stimmung nahestehend, tanzend in den Untergang, heben auch das nachfolgende, tango- oder barpop-swingende “Poisonous Snake” aus dem Alltagstralala – hätte man Blue in Plastiktüten gesteckt, würde ihre “Woman Of The World” auf eine wankende, taumelnde Erdscheibe blicken. “The No-No-Baby” haut in die gleiche Kerbe, bis das ebenfalls auf der Single enthaltene “Handsome” zumindest teils die Idee des Openers fortführt.
Nach dem schwächeren “Honey Kills” zeigt “Sitting Above”, welche Tiefe man mit minimalsten Mitteln erreichen kann: Monochromie klang nie schöner blau. Yves Klein kann abdanken. “She wears a short dress but no underwear, I love Susan” – wer würde das nicht? Die Keyboardlinie leckt sich schon die Lippen – feuchter Surrealismus mit einer Gala´esken Susan als Zentrum. “Yellow Sweeties” schwimmen neben dem Submarine, locker und lecker geschlagen, sogar in Milch. Das verstörende “Run Baby Run” läßt Nico im Himmel die Kirsche vom Cocktail schnippen – dabei wollte doch Madame nichts mehr trinken! Ambient triphoppend schlendert “Beloved In Return” (witzige Ode an Hope Sandoval, falls sich noch jemand an Mazzy Star erinnert?) zum Ausgang einer Scheibe, die zwischen all dem Durchschnittsmüll wieder die Elemente “Kunst”, “Eigenständigkeit”, “Charakter” und “Faszination” in die Musik transportiert. Groß, surreal, phantastisch, erotisch und eigen wie eine Skulptur von Niki de Saint Phalle. [/Quote]
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